Zugverkehr auf der Johannlandbahn zwischen Siegen und Netphen

Württembergische Bahnstrecken beispielhaft für die Reaktivierung der Johannlandbahn

Pressemitteilung der Bürgerinitiative "Pro Johannlandbahn" - 06.09.2000

Fünf Mitglieder des Vorstandes der Bürgerinitiative "PRO JOHANNLANDBAHN" e.V. besuchten am ersten Septemberwochenende zwei herausragende Bahnstrecken in Baden-Württemberg. Ziel der Initiative waren die Wieslauftalbahn sowie die Schönbuchbahn, zwei seit 1995 bzw. 1996 von der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) privat betriebene Strecken mit Schienen-Personennahverkehr. Neben der Bereisung der Bahnen war das direkte fachliche Gespräch mit Verantwortlichen vor Ort ein Schwerpunkt der Exkursion. Außer den Betriebsleitern beider Strecken stand bei einem mehrstündigen Gespräch auch die Direktionsleitung der WEG, Herrn M. Aschpalt, zur Verfügung. "Das hier in Württemberg Erreichte stellt für uns eine überzeugende Vision für die angestrebte Reaktivierung der Johannlandbahn von Siegen über Netphen und Deuz nach Werthenbach dar", zeigte sich der Vorsitzender der Bürgerinitiative "PRO JOHANNLANDBAHN" e.V., Christian Wachs, nach der Fahrt sehr beeindruckt.

Auf der Wieslauftalbahn, die Anfang der 90'er Jahren von der DB vollständig stillgelegt werden sollte, fahren inzwischen an Werktagen 29 Zugpaare. Diese befördern nach Angabe des Betriebsleiters, Herrn Volz, im Durchschnitt insgesamt 4.900 Fahrgäste pro Tag (zu DB-Zeiten: 1.300 Fahrgäste pro Tag). Die Prognosen gingen lediglich von 2.500 Personen pro Tag aus, aber auch dies rechtfertigte 1993 die Entscheidung zur Übernahme der Strecke und zur umfangreichen Angebotsausweitung durch die WEG. Der Schüleranteil der Fahrgastbeförderung liegt auf der Wieslauftalbahn heute bei circa 36 Prozent, weil ein Schulzentrum durch eine Verlängerung der Strecke (700 m) optimal an die Bahn angebunden wurde. Diese Maßnahme zur Attraktivitätssteigerung hatte die DB abgelehnt. Ein regionales Busunternehmen führt heute im Taktfahrplan Anschlußfahrten von den Bahnhöfen und Haltepunkten in die bahnfernen Ortschaften durch, die von der Bevölkerung gut angenommen werden. Ein Bus-Parallelverkehr zur Schiene wurde konsequent vermieden. Die ursprüngliche Kilometerleistung der Busse wurde auf den neuen Zubringerverkehr verlagert.

Auf der Schönbuchbahn konnten die Vorstandsmitglieder der Bürgerinitiative bei der Fahrt im Führerstand des modernen Triebwagens einen ersten Eindruck von der Strecke Böblingen - Dettenhausen gewinnen. Die 23-minütige Fahrt wurde dabei fachkundig durch Herrn M. Aschpalt, Leiter der Direktion der WEG, kommentiert. Beeindruckt von der zügigen Fahrt in dem Regio-Shuttle (Hersteller: ADtranz) über eine sehr gut trassierte Strecke wurde nach 17,2 km Dettenhausen erreicht, eine kleine Gemeinde mit 5.200 Einwohnern. Wie bei der Wieslauftalbahn konnte bei der Schönbuchbahn auch eine umfassende Erfolgsgeschichte geschrieben werden, wie der Betriebsleiter, Herr Söll, berichtete. 1966 wurde der Personennahverkehr von der DB eingestellt, 1986 sollte die Strecke vollständig stillgelegt werden. Auch hier war es eine Bürgerinitiative, die den Anstoß zur Reaktivierung gab und beharrlich verfolgte. Eine Studie der WEG konnte durch ein optimal verknüpftes Bus-Schiene-Konzept eine ausreichende Wirtschaftlichkeit bei geschätzten 2.500 Fahrgästen pro Tag nachweisen. Nach der politischen Entscheidung zur Reaktivierung erfolgten Investitionen in Strecke und Bahnhöfe (20 Mio. DM) sowie Fahrzeuge (8,5 Mio. DM). Vom ersten Betriebstag an wurden die angenommenen Fahrgastzahlen übertroffen, im November 1999 wurden in den 35 Zugpaaren pro Werktag insgesamt bis zu 6.300 Fahrgäste gezählt. Zum Jahresende 2000 wird der Betrieb mit 37 Zugpaaren an Werktagen, 26 Zugpaaren an Samstagen sowie 15 Zugpaaren an Sonntagen erfolgen. Inzwischen reichen die vier Regio-Shuttles zur Bewältigung des Fahrgastansturmes nicht mehr aus. Neben der Beschaffung von zwei weiteren Fahrzeugen ist folglich die bauliche Anpassung der Bahnhöfe und Haltepunkte vorgesehen, um mit längeren Zügen fahren zu können.

Nach den Worten von M. Aschpalt sind folgende Faktoren maßgeblich für den überwältigenden Erfolg der Schönbuchbahn: der Schienen-Personennahverkehr wird mit modernen Fahrzeugen auf gut ausgebauten Gleisen mit gepflegten Bahnhöfen und Haltepunkten durchgeführt. Das Angebot ist mit einem Halb-Studentakt bzw. mit einem Stundentakt (von Samstag Nachmittag bis Sonntag Abend) bedarfsgerecht, attraktiv und leicht zu merken. Außerdem ergänzen Zubringerbusse den Bahnverkehr zu einem für die gesamte Bevölkerung guten Bus-Schiene-Konzept.

Bei den vier Fahrten des Vorstandes am Samstag und Sonntag waren die Teilnehmer jedesmal von den hohen Fahrgastzahlen in dem Triebwagen überrascht. Selbst am frühen Sonntag Morgen um 9:00 Uhr waren 37 Personen in dem Zug unterwegs.

"Das System von Bahn und Bus mit seinem integralen Taktfahrplan für die circa 25.000 Einwohner südlich von Böblingen hat den Vorstand der Bürgerinitiative "PRO JOHANNLANDBAHN" e.V. begeistert und ist für uns Vorbild für den Schienen-Personennahverkehr im Johannland. Ein vergleichbares Konzept wird nach unserer festen Überzeugung auch ein Erfolg für den Personen-Nahverkehr auf der Schiene zwischen Siegen und Werthenbach", so der Vorsitzende der Initiative.

Die gesamte Exkursion der Bürgerinitiative "PRO JOHANNLANDBAHN" e.V. wurde selbstverständlich per Bahn durchgeführt. Zugverspätungen der DB AG beeinträchtigten die Reise erfreulicherweise nicht.



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